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Felix verstand die Welt nicht mehr. Er war alleine, seine Freundin war
nicht mehr da. Überall suchte er seine Wanda. Mir tat das so leid, dass
ich mich entschoss, ins Tierheim zu fahren, um nach einer neuen Freundin
für Felix zu schauen. Suchen musste ich nicht lange; im Kaninchenhaus
stürmte eine "Widderwalze" auf mich zu. Groß war es und schwergewichtig,
das Widderweibchen. Die muss abnehmen, dachte ich, hier schafft sie das
nie. Schon war die Walze vermittelt und hatte ein neues Zuhause. Felix
staunte nicht schlecht, als er die "Walze" sah; mein Freund und meine
Freundin schauten nur ganz ungläubig. Kater Othello wisch vor dem "Brocken"
nur ungläubig zurück und schaute mich vorwurfsvoll an. "Wen hast du uns ins
Haus geholt?" Das Tierchen ihr Name war Masso, war ca. 1 Jahr alt;
Masso für ein Weibchen? Kommt nicht in Frage. Aber wie soll sie heißen?
Berta - lieber nicht -. Clara???? Warum nicht, die dicke Clara, das war
ihr Name. Clara hatte den Charme einer gutmütigen Bauersfrau. Sie musste
sich nicht einleben, sie war vom ersten Tag an bei uns zu Hause. Ihre
ersten Ausflüge (zunächst ohne Felix) zeigten, dass das Tierchen wohl
nur im Käfig gesessen hatte. Ungelenk waren ihre Bewegungen, ihre
Freudensprünge keine 5 cm hoch. Aber Yippie Yeah, jedes Zimmer wurde
erobert. Dann kam Felix hinzu, der Platzhirsch. Clara ordnete sich unter;
doch sie mag gedacht haben: "Warte ab Felix, ich bin größer und kräftiger
als du". Und richtig. Es dauerte nicht lange und sie war die Nummer eins.
Felix hat es nicht bemerkt oder es war im egal. Sie mochten sich eben sehr.
Bei ihren Streifzügen durch die Wohnung war Clara für die groben Arbeiten
zuständig; Türen öffnen und Hindernisse beiseite schaffen. Mit Pfoten und
Zähnen ging sie zu Werke. Den technischen Support übernahm Felix. Telefonkabel
knips, Modemkabel knips, oh, Computerkabel knips, knips....... Ich war zuständig
für die Gänge in den T- Punkt und in den Computerladen, um Kabel und andere
Ersatzteile zu besorgen. Clara brachte mächtig Leben in die Bude und ihren
Gefährten auf Trab.
Um meine technischen Einrichtungen zu schützen, kaufte ich eine ca. 1 Meter
hohe Sperrholzplatte, die ich zwischen den Türrahmen meines Arbeitszimmers
klemmte, um die Nager auszusperren. "Gewonnen", dachte ich. Clara kam und
schaute sich die Sache genau an. "Es muss einen Weg geben". Sie hole mit den
Pfoten aus und trommelte so lange gegen die Platte, bis sie umfiel. Erster
im Arbeitszimmer aber war meistens Felix, der hinter Clara wartete; er konnte
ungehindert losstürmen, während Clara sich zunächst noch von der auf sie
gefallenen Holzplatte befreien musste. Besondere Freude schien es den beiden
Rabauken zu bereiten, wenn sie mich ahnungslos am Computer arbeitend
erwischten. Beim ersten Trommelschlag viel ich meistens vor Schreck vom Stuhl.
Das war Clara eben, neugierig, vorwitzig und immer zu einem Schabernack aufgelegt.
Ihre Neugierde - und eine kurzfristige Unachtsamkeit - hätten sie beinahe
das Leben gekostet. Es war Waschtag. Ich hatte meine Waschmaschine mit weißen
Handtüchern gefüllt. Clara und Felix waren wie immer unterwegs. Ich ging noch
schnell ins Bad, Gästehandtücher holen. Während dessen blieb das Bullauge der
Maschine geöffnet. Dann wurde die Maschine beladen, das Bullauge geschlossen
und es ging los. Wenig später vermisste ich Clara. Felix lag alleine mit lang
ausgestreckten Hinterläufen unter dem Esstisch und döste. Ich ging ins Bad,
schaute in den Schrank, auf die Terrasse, nirgendwo war Clara. Panik kam in
mir auf. Die Waschmaschine! Abschalten und die Trommel öffnen war eins. Und
tatsächlich: Clara war in der Trommel. Das Tier stand unter Schock, mir ging
es ebenso. Der Tierarzt versuchte zu helfen, so gut es ging. Jetzt waren Wärme
und Zuwendung wichtig. Ich habe Clara einen ganzen Tag an meinem Körper
getragen und sie warmgehalten. Schon in der Nacht kamen ihre Lebensgeister
langsam zurück und nach 2 Tagen war sie wieder fast ganz hergestellt.
Zurückbehalten hat sie allerdings einen chronischen Schnupfen, weil die
Nasenschleimhäute durch die Seifenlauge in Mitleidenschaft gezogen worden waren.
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diese Begebenheit überhaupt
erzählen soll. Aber wer mit Kaninchen lebt, muss mit deren unbändiger Neugier
rechnen, die durchaus auch einmal mit dem Tod enden kann. Dieses Ereignis hat
mich und Clara sehr zusammengeschweißt. Gelernt hat sie aus der Geschichte
allerdings nichts, denn nur wenige Tage später wollte sie die Spülmaschine
besichtigen.
Weihnachten mit den beiden war immer ein Höhepunkt. Clara hatte Weihnachtsbäume
zum Fressen gerne und Felix versteckte sich unter den Zweigen. Es kam vor, dass
ich sie von Tannennadeln befreien musste, die sich in ihre Nasenrücken gebohrt
hatten, aber Indianerhasen kennen keinen Schmerz und der Weihnachtsbaum war für
sie immer ein besonderes Vergnügen.
Alles ging gut bis Januar 2000. Ganz plötzlich fraß Felix schlecht. Er
stolperte aus seinem Käfig und bewegte sich sehr ungelenk. Auf dem Röndgenbild
bei der Tierärztin konnte man zwar nicht viel erkennen, aber die weitere
Untersuchung ließ nichts Gutes erahnen. Felix bekam Spritzen, aber sein Zustand
besserte sich nicht. Sein Appetit nahm weiter ab und sein Hinterteil bewegte sich
zunehmend unkontrolliert. Felix war nicht mehr zu retten. Er hatte Kaninchenlähmung,
die auch mit Spritzen nicht mehr aufzuhalten war. Der kleine treue Kerl wurde
eingeschläfert. Ich rief meinen Freund an und wir haben Felix gemeinsam begraben.
Es war ein trauriger 13.Januar. Felix wurde nur knapp 4 Jahre alt.
Wie sollte ich das nur Clara beibringen?? Wir beschlossen, ihr ein neues
Böckchen zu holen. Ich fuhr in das Tierheim. Es gab nur 2 Böcke. Einer der
beiden war zu klein, Clara hätte ihn plattgewalzt. Der andere war ein
hübsches graues Löwenköpfchen. Der kleine Kerl war gerade erst im Tierheim
abgeben worden. Er war ca. 1 ½ Jahre alt und nicht kastriert. Das habe ich
übernommen, denn er sollte so schnell wie möglich ein neues Zuhause bekommen
und außerdem wartete Clara auf einen neuen Freund. Einstein haben wir
ihn getauft. Er war anfangs ein sehr nervöses Tier.
So lebten wieder 2 Kaninchen bei uns. Einstein musste sich erst einleben und
durfte ja auch noch nicht mit Clara laufen. Er verdrehte die Augen, wenn er
sie sah und wollte zu ihr. Clara hingegen vermisste ihren Felix und wurde sehr
schmusig. Einstein sollte nun kastriert werden. Doch daraus wurde nichts. Clara
hinkte plötzlich und war auch im ihrem übrigen Verhalten anders als sonst.
Auch fraß sie weniger. Die Tierärztin stelle bei Clara hohes Fieber fest.
Sie bekam Infusionen, weil sie Medikamente, die über den Magen wirken, nicht
vertrug. Anfangs bekam sie täglich Infusionen. Stieg das Fieber kühlte ich
zusätzlich ihre Ohren. Nach einer Woche war sie über den Berg. Aber schon
kurze Zeit später, beim Schmusen, entdeckte ich in ihrer Wamme einen
Fünfmarkstück großen Knoten. Wieder ging es zur Ärztin. Sie überwies uns
sofort in die Duisburger Tierklinik. Am folgenden Morgen haben wir Clara
dorthin gebracht. Sie wurde untersucht und musste zur Operation dort bleiben.
Schweren Herzens ließ ich sie alleine. Nachmittags gegen 16.00 Uhr holte
ich sie wieder ab. In der Tierklinik war die "Hölle" los. Aufgeregte Frauchen
und Herrchen warteten auf ihre verängstigten, kranken Lieblinge. Es dauerte
lange, bis Clara kam. Sie war noch ganz benommen und sah angegriffen aus.
Die Tränen konnte ich nun nicht mehr zurückhalten. Ein großer Abszess, der
tief ins Muskelgewebe reichte, war entfernt worden. Gemeinsam kämpften Clara
und ich um ihr Leben. Bis heute habe ich bei keinem zweiten Tier
vergleichbarem Mut und Willen zu Leben kennengelernt. Dann stellte sich
heraus, dass der Grund der Erkrankung eine bakterielle Infektion war,
die den ganzen Körper befallen hatte. Am 19.Februar wurde auch Clara
eingeschläfert. Das mutige dicke Weibchen wurde nur knapp 3 Jahre alt.
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