Die Othellogeschichte

Wie ich schon in der Felix - und Wandageschichte berichtet habe, hat sich im Sommer 1998 uns ein weiter Hausgenosse angeschlossen. Ein schwarzer kastrierter Kater, der vermutlich zu Ferienbeginn ausgesetzt worden war und nun in großem Abstand den hinteren Teil meines Gartens nach Futter absuchte. Da ich das Wesen dieser Tiere bis dahin nicht näher kannte und auch nicht wusste, wie überaus liebenswert sie sein können, war mir anfangs nicht wohl dabei, dass Tier aufzunehmen. Weil der Kater aber so dünn und ängstlich war und mir so leid tat, habe ich ihm am nächsten Morgen ein Näpfchen mit Katzenfutter auf die Terrasse gestellt. Abends war der Napf leer; dieses Spiel wiederholte sich die nächsten Tage. Zunächst wusste ich nicht, wo der Kater den Tag verbrachte und sich versteckte. Als aber der Napf regelmäßig leer war, wurde mir langsam klar, dass der Kater wohl bleiben würde. Ich setzte mich deshalb zur Fressenszeit auf die Terrasse und wartete. Es dauerte nicht lange und der Kater tauchte auf. Er schaute mich an. "Geh' zur Seite!" Ich ging. Die nächsten Tage wiederholte ich die Näherungsversuche und allmählich fasste das Tier Vertrauen. Ich konnte jetzt schon vorsichtig meine Hand ausstrecken und der Kater schnupperte daran, bevor er zu seinem Fressnapf ging. Nun dauerte es nicht mehr lange, bis das Eis gebrochen war, ich ihn auf den Schoß nehmen konnte und er sein Wohlbefinden mir schnurrend mitteilte. Damit war unsere Freundschaft besiegelt und er bekam einen Namen: Othello.
Nach und nach baute der Kater eine sehr intensive Beziehung zu mir auf. Heute begleitet er mich überall hin, sogar zum Einkaufen. Bin ich mal ein paar Tage nicht zu Hause sondern verreist, ruft Othello sogleich "Verrat"! und ist mächtig beleidigt. Aus trotz lässt er sich dann nicht mehr sehen und vernachlässigt sogar das Fressen. Einmal blieb er 3 Tage lang verschwunden.
Fremden gegenüber ist er allerdings bis heute sehr scheu und misstrauisch geblieben und wenn er sich in die Enge getrieben fühlt, läuft er kopflos davon; einmal ich habe ihn vor einem Auto retten müssen, als er reißaus auf die Straße nahm. Wir vermuten, dass er früher geschlagen worden ist, denn auch bei verschiedenen an und für sich harmlosen Handbewegungen reagierte er fast panisch.
Die erste Begegnung mit den Kaninchen war entgegen meiner anfänglichen Sorge problemlos. Damals lebten Felix und Wanda noch. Zu Felix baute Othello sogar eine freundschaftliche Beziehung auf, was dadurch zum Ausdruck kam, dass er sich über ihn beugte und seinen Kopf leckte.
Nach ca. einem halben Jahr hatte sich Othello bei mir vollstauml;ndig eingelebt. Bei dem fälligen Gesundheitsscheck und Impftermin wurde sein Alter auf 2 ½ Jahre geschätzt; sonst fehlte ihm nichts, sieht man von einem fehlenden Eckzahn ab.
Immer öfter verbringt er nun seine Zeit im Hause und lernt nach und nach die Annehmlichkeiten der Zivilisation kennen. Nachts schleicht er sich in mein Bett und wenn es regnerisch und kalt ist, verlässt er nur wiederwillig das Haus. Als dann Clara einzog, schaute er entgeistert auf das Riesenweib und trollte sich davon. Er machte immer einen großen Bogen um sie. Clara aber mochte ihn wie alle anderen auch sehr und begrüßte ihn mit einem kräftigen Nasenstüber.
Wenn die Sonne scheint, fühlt Othello sich im Garten pudelwohl. Auf der Terrasse steht sein Korb mit seinem Kuschelkissen, in dem er Stunde um Stunde in der Sonne liegt und döst.

Sein Revier aber, musste er gegen zwei Erzfeinde verteitigen, einen graugetigerten Brecher namens Knopf und einen rothaarigen Kater mit einemGlöckchen um den Hals und der Figur Arnold Schwarzeneggers verteidigen. Weil er ein sehr zierlicher und schmächtiger Kerl ist, geht das nicht immer ohne Beulen ab.
Hin und wieder bedient sich derSchlaumeister bei den Revierkämpfen der menschlicher Hilfe. Eines Tages beobachtete mein Freund, wie Othello und Knopf sich im Garten gegenüberstanden und anfauchten. Ich solle die Streithähne trennen, meinte er. Ich aber lehnte ab. "Das müssen die beiden unter sich ausmachen!" So ging mein Freund dazwischen. Knopf zog sich augenblicklich zurück. Othello aber, der Held aus der zweiten Reihe, stürzte sich auf den abziehenden Nachbar und gab ihm ein paar gehörige Watschen. Mit stolz geschwellter Brust kam er anschließend zurück und ließ sich wohlgefällig in seinen Korb nieder.
Wenn er aber das Glöckchen seines roten Erzfeindes hört , kommt er mit eiligen Schritten gerannt und versteckt sich.

Hallo,

nach langer Zeit und unendlich vielen Abenteuern muss ich mich nun endlich auch einmal zu Wort melden. Nachdem das Großmaul von Dodi nun auch seine eigene Geschichte losgeworden ist, muss ich natürlich dazu Stellung nehmen. Meine Dosenöffnerin verhält ich völlig loyal zu ihrer vierbeinigen Großfamilie. Keiner kommt zu kurz, obwohl ich weiß, dass ein Hund immer ihr größter Wunsch war. Nun ist er da. Ich bin eifersüchtig und weiche nicht mehr von ihrer Seite und aus ihrem Bett. Diese Privilegien hat Dodi nicht!!!!



Ich bin der mutige Kater Othello

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