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Einstein war jetzt alleine. Er war immer noch sehr ängstlich und schreckhaft.
Dadurch, dass Clara so schwer krank wurde, kam er etwas zu kurz. Das mag auch
der Grund gewesen sein, warum er zwickte, wenn ihm etwas nicht passte. Er
sollte natürlich nun einen neuen Gefährten bekommen. Aber eher halbherzig
fuhr ich zum Tierheim. Dort herrschte Weibchenmangel. Also wollte ich es
nach meinem Urlaub noch einmal versuchen. Beim hinausgehen sah ich in
einem Käfig einen weißen Schneeball sitzen, mit Schlappohren und
hellblauen Augen wie bei Robert Redfort. Leider war dieser Schönling
ein Männchen.
Ich war skeptisch als die Pflegerin mir sagte, dass man auch 2 Böckchen
zusammen halten könne, wenn sie kastriert seien. Ich ging alleine
wieder nach Hause und erzählte vom dem Schneeball. Das weiße
Widderkaninchen aber ließ mir keine Ruhe mehr. Ich rief am nächsten
Tag ich in meiner Tierarztpraxis an, um zu fragen, ob man wirklich
zwei Männchen zusammen halten kann. Ich solle es versuchen, sagte
man mir, in den meisten Fällen gehe es gut. Also rief ich sofort
im Tierheim an und bat darum, das Kaninchen nicht weiter zu
vermitteln. Am Nachmittag gehörte Rudi, so heißt das Schlappohr,
zu unserer Familie. Freundlicherweise erklärte die Pflegerin im
Tierheim sich bereit, Rudi noch zwei weitere Wochen zu pflegen,
da ich in Urlaub fuhr und meiner Freundin nicht zwei Kaninchen zur
Pflege aufhalsen wollte. Am 10. März zog Rudi ein. Einstein war damit
gar nicht einverstanden. "Was ist das für ein Kerl?" Frage er, und
die gewohnte Harmonie war dahin.
Othello hasst Einstein, Einstein hasst Rudi. Wie soll das weitergehen?
Rudi, der Pechvogel, war in doppelter Hinsicht geschlagen, denn
an seinem letzten Tag im Tierheim wurde er von einem Meerscheinchen
in die Backe gebissen. Da er schlecht fraß, wusste ich sofort, dass
etwas nicht stimmte. Die Backe war vereitert und Rudi musste operiert
werden. Kanincheneiter ist eine ernstzunehmende und recht
komplizierte Erkrankung. Der Eiter ist zäh wie Kaugummi und sehr
schwer ganz zu entfernen, deshalb musste die Wunde mehrmals täglich
gespült und versorgt werden. Einstreu war verboten, er musste
auf Handtüchern sitzen. Die täglichen Behandlungen und die
Besuche bei der Tierärztin ertrug Rudi tapfer. Es dauerte aber gut
2 Wochen, bis er wieder fitt war.
Auch Einstein machte mir Sorgen. Er wollte sich nicht richtig
einleben. Er knurrte und biss um sich, teilweise so heftig,
dass ich meine Tetanusvorsorge auffrischen musste.
Und wieder war es meine Tierärztin, die eine Idee hatte.
Ab sofort bekam Einstein 2 x täglich Rescue Remedy Tropfen
(Bachblüten). Diese Tropfen sind ein Naturheilmittel,
wirken beruhigend und bewirken zusätzlich eine positive
Stimmung. Der Erfolg setzte allmählich ein. Einstein ist
ein schwieriges Tier geblieben aber er beist nicht mehr.
Wer weiß was er in seinem kurzen Leben alles erdulden musste
und Kaninchen können sich nicht anders wehren. Beißen oder mit
Pfotenhieben andere Möglichkeiten gibt es für sie nicht.
Ich komme mit Einstein mittlerweile prima klar und muss auch
meine Motorradhose nicht mehr anziehen um meine Beine vor
seinen Bissen zu schützen, wenn ich ihn einfangen und in
seinen Stall zurückbringen möchte. Bei Fremden ist er sehr
zurückhaltend und versteckt sich, vor Kater Othello hat das
Großmaul überhaupt keinen Respekt.
Am Anfang konnten Rudi und Einstein überhaupt nicht zusammen frei
umherlaufen. Jeder ging deshalb allein auf Erkundungsrunde. Das war
zwar so nicht vorgesehen, aber bei den beiden musste ich behutsam
vorgehen, sollten gegenseitige Bisswunden vermieden werden. Mit
einem Trick brachte ich sie dazu, es wenigstens einmal miteinander
zu versuchen. Kaninchen hassen Autofahrten. Also bat ich meine
Freundin, mein Auto zu fahren und ich setzte mich mit den beiden
Helden auf den Rücksitz. Rudi war cool und Einstein kroch vor
Angst unter Rudi. Gewonnen!!!
Lieben, tun sich die beiden zwar immer noch nicht, laufen aber
ohne sich zu bekämpfen gemeinsam mittlerweile schon mindestens
eine Stunde am Tag.
Während meines Sommerurlaubs machten Rudi und Einstein ebenfalls Ferien,
im Pfötchenhotel. Dort wurden sie übrigens super versorgt. Aber als die
beiden zurückkamen und ich sie wieder zusammen laufen lassen wollte
zeigte Einstein Rudi wieder die kalte Schulter und die Zähne. Also
drehen die beiden wieder getrennt ihre Runden. Ich aber, weiß was zu
tun ist. Autofahren! Damit warte ich nur noch, da ich noch einmal ein
paar Tage wegfahren möchte. Einstein gehört übrigens zu der Rasse der
Löwenköpfchen.
Rasse der "Dickköpfchen" würde besser zu ihm passen.
Ich werde aber nicht aufgeben. Denn er ist irgendwie schon ein netter
Kerl. Auch der zweite Aufenthalt im Hotel ist den beiden gut bekommen.
Sie sind jetzt stolze Besitzer der silbernern Pfötchenkarte für
Vielbucher und bekommen ab sofort Rabatt im Hotel.
Das miteinander Laufen klappt im übrigen wieder auch ohne den
"Autotrick". Die Geduld, viel Verständnis und Respekt vor den
einzelnen Charakteren der kleine Kerle haben sich ausgezahlt. Ich bin
im übrigen jetzt als einzige Frau "der Hahn" in Korb. Das hat auch
etwas für sich!
In den vergangenen Monaten ist viel passiert. Einstein hat sich zu einem
netten Hausgenossen entwickelt und versteht sich gut mit Rudi. Die beiden
laufen täglich miteinander, ohne sich zu streiten. Teilweise liegen sie nur
zusammengekuschelt unter dem Esstisch und dösen. Nur einfangen lässt er sich
nicht gerne. Er hat sich das sogenannte "Kreislaufspiel" ausgedacht. Wenn
er mich kommen sieht, blitzen seine Augen listig auf und los geht's. "Ich
bin schneller als Du". Mit einem Affenzahn flitzt er durch das ganze Zimmer
und denkt nicht daran sich einfangen zulassen.
5 Minuten dauert dieses Spiel meist an, dann bleibt er vor mir sitzen
und lässt sich in den Stall tragen.

Alles ging gut bis Anfang Januar 2002.
Es ging so schnell, zunächst lagen Rudi und Einstein noch friedlich unter
dem Esstisch. Plötzlich und unerwartet aber, stürzte sich Rudi auf den
verdatterten Einstein und verprügelte ihn dermaßen, dass ich dazwischen
gehen musste. Was in Rudi gefahren ist weiß ich bis heute nicht. Bein
nächsten Versuch, die beiden wieder gemeinsam laufen zu lassen,
zettelte Rudi nach kurzer Zeit wieder einen heftigen Streit an. Jetzt
bin ich ziemlich ratlos was in den ehemals sanften Rudi gefahren ist.
Die beiden gehen wieder getrennt auf Erkundungsrunde, denn Bissverletzungen
möchte ich vermeiden.
Weil ich Rudi und Einstein nicht mehr dazu bewegen kann Frieden zu schließen, habe ich mir etwas einfallen lassen.
Anlässlich eines meiner vielen Einkaufsbesuchen im Fressnapf fiel mein Blick auf ein Außengehege für Kaninchen. Ich überlegte nicht lange und kaufte es. In einer Ecke meines Gott sei dank genügend großen Wohnzimmers baue ich es für Einstein auf. Als ich den kleinen Kerl zum ersten mal hineinsetzte, war ich angenehm überrascht. Der eher ängstliche Bursche fing sogleich an zu spielen, toben und Haken zu schlagen; sogar lässt er sich wohlig zur Seite umfallen.
Ganz entspannt liegt er nun in seinem kleinen Reich. Rudi kommt hin und wieder vorbei und versucht, durch das Gitter einen kleinen Streit anzuzetteln, aber Einstein geht immer seltener darauf ein und lässt den quirligen Rudi abblitzen.

Nun ist wieder alles anders bei uns.Othello hasst Dodi den spanischen Straßenhund, der jetzt bei uns lebt
und Dodi hat Einstein und Rudi zum fressen gern. Jetzt leben 16-Pfoten bei uns.
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